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Eigenbedarf - Alfons Weiß muss raus

Wenn DU als Künstler dringend eine neue bleibe brauchst

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Walter Holtfoth - Begegnungen - mehr als eine Kolumne ( Text & Bilder ) 

 

Eigenbedarf – Alfons Weiß muss raus

 

Wer mich kennt, der kennt auch meinen Leitspruch, wonach Begegnungen so ziemlich das Wichtigste eines Menschenlebens ausmachen.

 

Mit ein Grund, warum ich es faszinierend finde, Menschen portraitieren zu können. Dieses Eintauchen dürfen in das Leben eines/einer Anderen, das Beschreiben nach eigenem Empfinden. Nicht immer einfach aber unendlich reizend und befriedigend.

 

Zu Alfons Weiß komme ich über einen Umweg. Ursprünglich wollte ich mich unserem Bildhauer und Steinmetz Frank Rothbächer widmen, den ich seit Franzis Mutters Beerdigung auf dem Zettel habe, ein genialer Künstler und Handwerker.

„Schau mal bei Alfons vorbei, ich glaube der braucht deine Hilfe mehr als ich gerade,“ so Frank selbstlos.

 

Alfons braucht Deine Hilfe mehr als ich gerade

 

Ich mache mich auf den Weg ins nicht wirklich weit entfernte Oberweier, suche den alten Kindergarten und lerne ihn kennen, den Alfons Weiß.

 

Ein sympathischer Kerl empfängt mich an der Türe dieses in die Jahre gekommenen Gemäuers. Künstler durch und durch, so mein erster Eindruck, er soll mich nicht täuschen. Alfons führt mich in sein großes lichtdurchflutetes Atelier und hat meinen ersten innerlichen WoW Effekt ausgelöst. Der Ort, an dem vor vielen Jahren Oberweiers Kinder ihre erste Früherziehung erfuhren, voll mit Kunst, Bilder verschiedenster Stile an Wänden, in Regalen, auf Arbeitsplatten und auf dem Boden. Viele fertiggestellt aber auch viele mitten im Prozess.

 

Dreißig Jahre inmitten von Inspiration, Natur und Kreativität 

 

Und da steht er also mittendrin, erzählt mir wie er vor über dreißig Jahren dieses Schmuckstück anmieten durfte. Ich fand seine strahlenden Augen, während es aus ihm sprudelte als Freude und Stolz über das Verwirklichte. Er beschreibt die Anfänge, liebevoll wurde aus seinen Händen aus dem schnöden Kindergarten seine individuelle Wohnhöhle. Dort, wo den Buben und Mädels beigebracht wurde, wie Hände gewaschen, Zähne geputzt werden, richtet er sich mit viel handwerklichem Geschick sein Wohn – Schlafzimmer ein, im Aufenthaltsraum der damaligen Ordensschwestern entsteht mit viel Liebe zum Detail eine Wohnküche. Dreißig Jahre hat er hier gelebt und geschaffen, all seine Kreativität schöpfen und einbringen können. Die nahe Natur, der Wald für ihn Inspiration pur. Jetzt ist das aber alles von einem jähen Ende bestimmt. 

 

Wenn des Vermieters Nachwuchs den Wert für sich entdecken

 

Die Kinder seines Vermieters, bei seinem Einzug noch nicht auf der Welt, haben den Wert des Gebäudes erkannt. Der Sohn meldet Eigenbedarf an und so kommt für Alfons Weiß aus heiterem Himmel diese von uns Allen beliebte Eigenbedarfskündigung ins Haus. Er hat Zeit bis August, etwas Neues zu finden. Jetzt erkenne ich den eigentlichen Grund seiner feuchten Augen und die Trauer, die in seinem Blick, seinen Worten mitschwingt. „Aber es hilft ja alles nichts, ich hatte eine tolle, wunderbare Zeit, sie ist halt jetzt rum.“

 

Nur, finde mal etwas adäquates, finde es schnell und finde es in der näheren Umgebung mit all ihren Kraftquellen. Telefonate, Gespräche, Begegnungen, Besichtigungen, alles läuft seit einem halben  Jahr. „Tolle Menschen,“ sagt mir Alfons, „die meinen es total ehrlich und gut mit mir aber es war wirklich nichts passendes dabei.“

 

Alfons Weiß lebt mit, nicht von seiner Kunst 

 

Oft seien es, wie in einem ehemaligen Lahrer Industriekomplex vielleicht große Lagerräume aber nichts zum Wohnen und das muss er ja auch. Über die Preise müsse nicht gesprochen werden. Alles ist teuer, alles kostet viel Geld und das hat er nun mal nicht wirklich zur Verfügung. Alfons Weiß lebt mit seiner Kunst, von ihr Leben kann er nicht. Er erzählt, wie froh er ist, als Restaurator einen anerkannten Ruf zu haben und dort sein Auskommen zu erzielen. Mehr als 800  - 900 Euro hat er nicht in seinem Budget, was seine Suche nicht einfacher macht.

 

Wir unterhalten uns, wie es sich unter Gleichgesinnten gehört,  über Gott und die Welt. Alfons ist ein interessierter Mitmensch, wenngleich eher leise,  hinterfragt er Vieles, oft packt er Fragen in seine Bilder. Wenn, wie im Moment die Zeit davon zu laufen scheint, findet sich auch eine gewisse Wut in manchem Werk, dass derzeit an der Wand des Ateliers zum Trocknen lehnt.

 

Nimm Dir die Zeit, diese Zeilen bis zum Ende zu lesen.

 

 

Es stehen viele Gebäude leer, auch in Friesenheim und das macht ihn traurig. Obwohl er eigentlich nicht weg will, spielt inzwischen ein neuer Standort keine wirkliche Rolle mehr. Lahr, Kaiserstuhl, Breisgau, Ortenau, passen muss es halt. Und mit passen meint Alfons auch die Chemie mit den Vermietern. Sie sollten ein offenes Herz für seine Kunst oder Kunst generell mitbringen. Ist das der Fall, dann ist auch dem gegenseitigen Verständnis kein Stein in den Weg gelegt. 

 

Leerstand - auch in Friesenheim 

 

 

 

Ob diese Story dazu helfen kann, weiß ich leider nicht. Ich drücke Alfons auf alle Fälle alle Daumen, dass sich jemand die Zeit nimmt, diese Zeilen zu lesen. Und dann gibt es da natürlich wieder diesen: „Ich kenn jemanden, der kennt einen, der vielleicht jemanden wissen könnte,“

 

Die Hoffnung stirbt zuletzt lieber Alfons Weiß, ich wünsche Dir nur das Beste!

 

Alles über einen bemühten, zweifelnden, offenen zeitgenössischen Maler, findet der interessiere Leser auf seiner Homepage: www.alfons-weiss.de   Mail adresse:  info@alfons-weiss-de 

Telefonisch in Oberweier unter: 07821 / 62735 zu erreichen Mobil & WhatsApp:  015739133004 

Alfons Weiß auf Youtube:  https://www.youtube.com/watch?v=eUhKLNKR0XQ

 

 

Alfons Weiß, Jahrgang 1958, geboren im Schwäbischen, war nie einer der die Schule liebte und landete vielleicht genau deshalb in frühen Jahren nach seinem Kunststudium an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe als Lehrer in der Kunsterziehung an einem Gymnasium. Seine Professoren an der Akademie waren Max Kaminski und Hiromi Akiyama. Alfons Weiss ist über die Region hinaus bei vielen Ausstellungen vertreten. Seine Werke finden viel Anerkennung in Freiburg, Offenburg, Straßburg, an der Universität des Saarlandes, auf Schloss Mochental, an den Theatern in Hannover und Trier, sowie in Galerien in Wien und in der Schweiz.

 

Alfons Weiß lebt bis heute in Friesenheim und würde dort gerne wohnen bleiben. 

 

Und den Frank Rothbächer schnapp ich mir ein anderes Mal, versprochen. :-)

 

 

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